Pünktlich zum Boxen
Schreinermeister Rupert Voß hilft jungen Männern in Arbeit. Jungen Männern, die sonst praktisch keine Chance hätten, denn sie haben „Gewalterfahrung“, wie es offiziell heißt. Für die meisten von ihnen heißt das Knasterfahrung. Viele von ihnen sind nicht gewohnt, sich an Regeln zu halten. Und doch kommen die jungen Männer morgens pünktlich. Schließlich wollen sie das Boxtraining nicht verpassen. Denn das gehört zum Konzept der „Work and Box Company“, morgens wird erst einmal gemeinsam geboxt. So gewöhnen sich die Teilnehmer an Regeln, im Sport wie im Leben. Und sie lernen den kontrollierten Umgang mit dem eigenen Körper, selbst wenn sie dabei Schläge einstecken müssen. Danach geht es in die Werkstatt von Rupert Voß, wo sie zwar eher einfache Arbeiten verrichten, aber immerhin: sie arbeiten. Sie arbeiten zusammen mit den dortigen Schreinern und haben die Chance, von ihnen zu lernen.
Rund ein Jahr dauert die Teilnahme bei der „Work and Box Company“ des Trägervereins „hand in“. Zum Ende greift Voß immer öfter zum Telefon: „Ich rufe einfach bei Firmen in der Region an und sage denen, dass ich hier einen ganz prima Jungen habe, der sich ein Jahr schwer zusammengerissen hat und der jetzt eine Lehrstelle braucht.“ Im ersten Jahr fanden so 13 von 15 sonst kaum zu vermittelnden jungen Männern einen Platz, im vergangenen Jahr waren es 14. Voß ist Fellow von Ashoka Deutschland.
Bürger entscheiden selbst
„Je länger ich praktische Erfahrungen mit der Bürgerbeteiligung sammle, desto stärker glaube ich an die kollektive Intelligenz.“ Auf die will Michael Pelzer auf keinen Fall verzichten. Der Bürgermeister von Weyarn setzt auf ein kleines hauptamtliches Team im Rathaus und die starke, fest etablierte Einbindung der Bevölkerung. Arbeitskreise kümmern sich um die ungezählten Kleinigkeiten. Gibt es etwa den Ruf nach einem neuen oder anderen Verkehrsschild, dann entscheidet das der Arbeitskreis Verkehr. Das Kommunalparlament muss sich mit solchen Kleinigkeiten nicht mehr befassen. Die Bevölkerung wird also nicht in althergebrachte Entscheidungswege eingebunden, sondern die Arbeitsgruppen können Entscheidungen selbst treffen. Auch die Verwaltung wird entlastet: Um die Feier für den neuen Rathausplatz musste sie sich nicht kümmern, das hat der Arbeitskreis „Dorfleben“ erledigt.
Brauchen die Ehrenamtler professionelle Unterstützung, stehen ihnen jährlich 50.000 Euro zur Verfügung – das sind Mengen, die sonst größere Städte aufwänden. Für einen 3.000-Einwohner-Ort ist es gigantisch viel. Doch Pelzer ist überzeugt: „Ohne solche Unterstützung läuft jedes Engagement langfristig vor die Wand.“ Doch so machen die Menschen in Weyarn mit – und sind zufrieden. Das erhebt alle vier Jahre der Arbeitskreis „Demokratiebilanz“, natürlich ehrenamtlich.
Von der Not zur Tugend
Warum nicht aus der Not eine Tugend machen, dachte sich Heidi Holzhauser, die als Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit und Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt täglich die Sorgen arbeitsloser Frauen erlebt. Die einen waren beruflich nicht mehr ausreichend qualifiziert, die anderen konnten aufgrund mangelnder Kinderbetreuung nicht zurück in den Beruf. So rief Holzhauser 2004 das Kinderbüro Landsberg ins Leben. In ihrer Freizeit, aber mit Unterstützung der Arbeitsagentur suchte und fand sie öffentliche und private Kooperationspartner und schuf so eine Qualifizierungs- und Vermittlungseinrichtung rund um das Thema Kinderbetreuung. Viele Arbeitsuchende wurden seither zur Tagesmutter ausgebildet. Weil diese Tagesmütter die Kinder nun kompetent und individuell betreuen, konnten arbeitsuchende Mütter gleichzeitig wieder ins Berufsleben zurückkehren.
So entstanden neue Arbeitsplätze, wertvolle Qualifikationen von Frauen bleiben in der Arbeitswelt erhalten, eine Lücke im Betreuungssystem kann geschlossen werden und – angenehmer Nebeneffekt – der Staat spart Sozialleistungen.
Häuser nutzen, um sie zu schützen
„Man muss das realistisch sehen“, sagt Fritjof Mothes: „Es gibt viele alte Häuser, die saniert werden müssen, für die auf dem konventionellen Markt derzeit aber kein Mieter zu finden ist.“ Mothes sagt das ohne Pathos. In Leipzig gebe es Wohnungsüberhang, daher blieben die Häuser leer, Witterung und Vandalismus beinahe schutzlos ausgeliefert. „Viele Eigentümer sind ratlos, wie es mit ihren Häusern weiter gehen kann“, so der Stadt- und Regionalplaner.
Um den Verfall denkmalgeschützter Häuser zu stoppen, schloss sich Mothes Ende 2004 mit anderen Interessierten zum Verein HausHalten zusammen. Dieser vermittelt vor allem Künstler und soziale Projekte an die Eigentümer. Diese können so die großen, wenn auch unsanierten Räume für wenig Geld nutzen. Dafür reparieren sie als „Hauswächter“ vieles selbst und schützen die Häuser durch die Nutzung vor weiterem Wertverlust.
So entstanden beispielsweise ein Projekt für mediale Kunst, ein Büro für Migranten aus Osteuropa, eine Kulturplattform und eine Galerie. „Wir erhöhen also zugleich das soziale und kulturelle Angebot im Quartier“, freut sich Fritjof Mothes.
Bei der Wissenschaft nachgefragt
Ein innovatives Unternehmen und der Forscherdrang an Universitäten, das muss doch zusammen zu bekommen sein. Das sagte sich vor sieben Jahren Ursula Holtmann, Inhaberin der Kölner Firma Schneider-Clauss. Die damals erst 31-jährige Chefin des Traditionsunternehmens für Kühltechnologie sah nicht ein, dass nur große Industrieunternehmen und Universitäten zusammen arbeiten können, nicht auch Firmen mit wenigen Mitarbeitern zusammen mit kleinen Studentengruppen.
Holtmann suchte und fand Partner, ein Produkt wissenschaftlich auf seine besonderen Fähigkeiten und daraus resultierenden Einsatzmöglichkeiten hin zu erforschen. An der RWTH Aachen tüftelte man an dem ungewöhnlichen Kühlkörper, dessen Kühlstifte wie Stacheln herausragen, und stellte nach kleinen Optimierungen fest: Das Gerät kann 40 Prozent mehr Prozesswärme von elektronischen Bauelementen abführen als herkömmliche Kühler. Damit ist es insbesondere für die Elektronik interessant. Für ihre mutige Kooperation wurde Ursula Holtmann mit dem Prof.-Adalbert-Seifriz-Preis für erfolgreichen innovativen Technologie-Transfer ausgezeichnet.







