Mut zum kollegialen Schulterblick – Darum profitieren Non-Profits von Austausch

Mit Level up! Die D3-Peer Learning Circles für den digitalen Wandel bringt unser D3-Team Organisationen mit ähnlichen Herausforderungen zusammen. Was Non-Profits davon haben, gemeinsam mit anderen an ihren selbstgesteckten digitalen Vorhaben zu arbeiten und warum Zeit investieren am Ende Zeit spart, erzählt die Programmleiterin Friederike Petersen.

Friederike, du leitest unser Programm D3 – so geht digital und hast die D3 Peer Learning Circles maßgeblich entwickelt. Warum setzt ihr mit dem neuen Format auf Austausch?

Weil wir bei D3 immer wieder die Erfahrung machen, dass zivilgesellschaftliche Organisationen vom Austausch mit anderen Non-Profits profitieren. Dabei entstehen zum Beispiel neue Ideen und Lösungsansätze, auf die man nicht allein gekommen wäre. Außerdem hilft eine Gruppe, dranzubleiben. Austausch, das haben alle Community-Events gezeigt, gelingt vor allem, wenn sich die Menschen aus den Organisationen treffen. Nach Events wie Level up! Die D3-Werkstatt für soziale Organisationen 2021 hat uns vermehrt positives Feedback erreicht und der Wunsch nach mehr Kooperation. Mit den Peer Circles kommen wir diesem Wunsch nach.

Inwiefern hilft Austausch Non-Profits noch dabei, ihre digitalen Herausforderungen zu meistern?

Wir haben beobachtet: Oft ist bereits viel Wissen vorhanden, selbst wenn Organisationen mit sehr ähnlichen Herausforderungen aufeinandertreffen. Es braucht jedoch einen Rahmen und kluge Fragen, um an das Wissen heranzukommen. Zudem bereichert es viele Menschen zu sehen, wie andere an eine Aufgabe herangehen. Es hilft ungemein, wenn andere unbefangen auf den aktuellen Stand gucken, Fragen stellen und Feedback geben. Der Blick von Außen ist für die allermeisten Gold wert. Die Teilnehmenden sind während der Circles aber nicht nur auf sich alleine gestellt, punktuell erhalten sie Unterstützung von Expert:innen und wir von D3 moderieren den Prozess.

Für die Level up! Peer Learning Circles müssen die teilnehmenden Organisationen etwas mitbringen: Zeit. Über fünf bis sechs Monate werden sie mit anderen Non-Profits und Vereinen zusammenarbeiten. Lohnt sich der zeitintensive Austausch?

Wir denken ja. Gerade, wenn es um Digitalisierung geht. Denn in den vielen Vereinen und Stiftungen ist das Thema personell nicht unterfüttert und wird von interessierten Mitarbeiter:innen neben ihrer eigentlichen Stelle mitbetreut. Doch die Entwicklung einer Digitalstrategie, die Einführung eines CRM-Systems oder digitaler Tools, die die Zusammenarbeit erleichtern, ein Website-Relaunch – all diese komplexen Aufgaben erfordern Zeit und Aufmerksamkeit. Darum haben wir die Laufzeit der Peer Circle auf ein halbes Jahr angelegt. 

Ein Ziel von Bürgermut ist, dass Non-Profits nicht immer wieder das Rad neu erfinden müssen. Das passiert leider aber ständig. Alle fangen neu an. Arbeiten allein vor sich her, die Vorhaben schleppen sich. Das ist richtig zeitaufwendig, teuer und verschlingt Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen. Am Ende, so ist unsere Erfahrung, sparen Organisationen, die strukturiert und im Austausch mit anderen ihre digitalen Vorhaben angehen, sogar Zeit.

Ist es nicht paradox, dass Austausch von vielen gewünscht wird, haupt- und ehrenamtlich Engagierte gleichzeitig jedoch allein vor sich her arbeiten?

Auf den ersten Blick vielleicht. Häufig geht der Wunsch nach Austausch im Tagesgeschäft einfach unter. Zugleich ist in manchen Organisationen auch noch ein Sinneswandel nötig. Oft fehlt die Erfahrung, dass man gemeinsam schneller vorankommt und es sich lohnt, Ideen mit anderen zu teilen, ins Testing zu gehen, Dinge auf dem Weg anzupassen.

Daher ist es wichtig, entsprechende Räume zu öffnen, die zivilgesellschaftliche Organisationen dabei unterstützen. Und es braucht immer mutige Mitarbeiter:innen, die vorangehen.

Auch D3 ist ein lernendes Programm. Mit den Peer Circles betreten wir Neuland und entwickeln weiter, was wir bei unseren Working Out Loud Circles 2020 gelernt haben. Wir sind sehr gespannt, wie der Pilot läuft und welche Erfahrungen wir sammeln werden. Ein Ziel des Projektes ist auch, einen Methodenbaukasten für den kollegialen Schulterblick zu entwickeln. 

Gerade hat die Anmeldephase begonnen. Welche digitalen Vorhaben können die Teilnehmer:innen in der ersten Runde von Level Up! Die D3 Peer Learning Circles für den digitalen Wandel ab Ende Juni angehen?

Wir haben die Peer Circles auf dem Digital Social Summit angekündigt und die Organisationen bei der Voranmeldung gefragt, welche Themen sie beschäftigen. Die Schwerpunkte ergeben sich aus ihren Bedarfen. Das war uns wichtig. Es wird nun Peer Circles unter anderem zur Entwicklung einer Digitalstrategie geben, zu digitalen Tools und Social Media, aber welche auch mit Fokus auf E-Learning, Change Management oder digitaler Barrierefreiheit. 

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